Ein wilder Irrglaube der Vergangenheit über weibliche Sexualität

Forscher der Universität Cagliari in Italien haben Geschichten über seltsame Aberglauben rund um die weibliche Sexualität zusammengetragen. Der Glaube, Frauen seien verrückt, hat tiefe Wurzeln. Ägyptische Dokumente, die 4. 000 Jahre alt sind, berichten von einer „mysteriösen Frauenkrankheit, verursacht durch das Wandern der Gebärmutter im Körper“.
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Hysterie, auch „Gebärmutterwahn“ genannt, galt jahrhundertelang als typisch weibliche Krankheit. Thomas Sidnam war ein einflussreicher englischer Arzt des 17. Jahrhunderts. Er war geistig gesund, glaubte aber als Arzt fest daran, dass verrückte junge Frauen durch die Stadt irrten. Laut Mother Jones [einer unabhängigen Publikation] führte Thomas Hysterie auf eine „ungesunde Neigung des animalischen Geistes“ zurück, und damals galt diese „Krankheit“ neben Fieber als weit verbreitet.
Sexuelle Fantasien von Frauen deuteten auf das Vorliegen der Krankheit hin. Ohnmachtsanfälle, Wutausbrüche, Nervosität und Beeinträchtigungen der weiblichen Sexualität zählten zu den Symptomen. „Übermäßiger Scheidenausfluss“ und „erotische Fantasien“ galten als Anzeichen für eine Anfälligkeit der Frauen für psychische Erkrankungen.
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Die Geschichte der Vibratoren begann im viktorianischen England. Damals tauchten Diagnosen wie Hysterie auf. Fast alle unzufriedenen Frauen litten darunter.
Die primäre Behandlungsmethode war die Intimmassage. Im Laufe der Menschheitsgeschichte betonte die Fachwelt immer wieder die Bedeutung der Intimmassage für Frauen. Ein „hysterischer Anfall“ (Orgasmus) galt als Ergebnis einer erfolgreichen Behandlung, und im viktorianischen Zeitalter wurde diese Methode zum Kassenschlager.
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Ende des 19. Jahrhunderts tauchte eine neue Erfindung auf. Dieses „elektromechanische medizinische Gerät“ sollte Frauen mit Hysterie eine optimale Physiotherapie bieten.
Wie Rachel Maines von der Johns Hopkins University herausfand, wurden sowohl Duschen als auch Schläuche verwendet. „Diese Reinigungsmethode war anfangs unangenehm für die Patientin, rief aber später so interessante Empfindungen hervor, dass sie Aufmerksamkeit erforderte“, so die Aufzeichnungen eines französischen Arztes aus dem 19. Jahrhundert. Die Ärzteschaft glaubte unglaublich lange an diesen Aberglauben. Man kann den „Zorn der Gebärmutter“ leicht als überholten Aberglauben abtun. Ehrlich gesagt ist er zu einer Art medizinischem Fetisch geworden. Doch erst Anfang der 1950er-Jahre konnte die Amerikanische Psychiatrische Vereinigung den Begriff aufgeben. Bezeichnungen wie „verrückt“ und „hysterisch“ sind heute gängig.

Ich will meinen Mann nicht — Worüber Frauen schweigen — Ausgabe 16, 18. Dezember 2020






